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Einige Jahre Geduld haben mich im Dezember 2002 endlich mit etwas belohnt, worauf ich schon einige Jahre geduldig warte: Nachzucht bei meinen Coelognathus helenus (Indischen Schmucknattern). Leider liest man relativ wenig über diese hübschen, aber selten gehaltenen Schlangen. Fast gar keine Daten findet man über gelungene Nachzuchten. Auch bei meiner ersten Brut ist einiges schief gelaufen, doch der Reihe nach ...

Von einer Paarung habe ich erst einmal gar nichts mitbekommen, nur eine plötzliche Umfangsvermehrung Ende September 2002 fiel mir auf. Dazu muss ich sagen, dass ich mein Weibchen fast nie draußen sehe, nur die Männchen sind aktiv. Ein kurzer Check des Weibchens machte sofort klar - das Tier war ohne Zweifel hochträchtig. Die Eier zeichneten sich so deutlich im Körper ab, dass ich eigentlich mit einer Legenot gerechnet habe. Ein Eiablagebehälter (Tontopf mit feuchter Erde + Spaghnum-Moos) wurde zu allem Überfluss auch noch verschmäht.

Da indische Schmucknattern gerne in einem feuchtwarmen Versteck liegen, habe ich dann aber noch folgendes ausprobiert: Ich habe unter dem Versteck Erde angehäuft und feucht (nicht nass) und warm gehalten (ca. 26-28°C). Die Schlange hat sich dann erst noch gehäutet und ca. 7 Tage später habe ich dann endlich das Gelege unter dem Versteck gefunden - 8 Eier, davon zwei offensichtlich unbefruchtet. Die Eier waren ungefähr so groß wie bei Kornnattern, weiß und strukturlos. Die unbefruchteten Eier hatten eine weichere Schale und wirkten "unfertig".
Ich habe das Gelege dann umgehend bei 27°C und 100% Luftfeuchtigkeit in feuchtem Moos in einem Aquarienbrüter inkubiert. Nach ca. 3 Wochen fielen die unbefruchteten Eier und ein scheinbar erst befruchtetes Ei langsam ein und schimmelten - ich habe die Eier dann vorsichtig vom restlichen Gelege entfernt und das Substrat erneuert, da es vermutlich von Schimmelsporen befallen war, was das restliche Gelege möglicherweise gefährdet hätte. Das neue Substrat habe ich dann trockener als vorher gehalten, um weiteren Schimmel zu verhindern.

Die befruchteten Eier entwickelten sich zunächst normal weiter und nahmen stark an Umfang zu. Auf dem 3. Foto kann man die Umfangsvermehrung sehr schön erkennen.
Links - frisch gelegte Eier, rechts - Eier kurz vor Schlupftermin ...

Ab Mitte November fing ein gesundes Ei plötzlich an, langsam zusammenzufallen. Die Oberfläche fühlte sich unnatürlich glitschig an - der Zersetzungsprozess hatte offensichtlich schon begonnen. Ich habe das Ei dann geöffnet und einen toten Embryo herauspräpariert (3. Bild).
Ein weiteres Ei fing ab Ende November an, in sich zusammenzufallen. Auch dieses Ei habe ich geöffnet und einen leicht unterentwickelten, aber vermutlich noch lebenden Embryo vorgefunden. Aufgrund der Unterentwicklung wäre dieses Jungtier aber wahrscheinlich nicht geschlüpft ... trotzdem nahm ich mir den Rat eines bekannten Terrarianers zu Herzen und wartete die weitere Entwicklung der verbliebenen 3 Eier geduldig ab. Selbst wenn die Eier noch so gammelig aussehen sollten, ich wollte kein weiteres mehr öffnen. Nach 70 Tagen Inkubation war es dann endlich soweit. Innerhalb zwei Tagen schlüpften zwei Babies aus den immer noch extrem prall aussehenden Eiern. Die Jungtiere haben nur einen Schnitt durch die Eischale gesetzt und sind dann jeweils innerhalb weniger Stunden geschlüpft.


Verblieb also noch ein letztes Ei - dieses fiel zu meinem Leidwesen auch langsam ein, nach 4 weiteren Tagen habe ich dieses Ei dann doch geöffnet und eine kürzlich abgestorbene Jungschlange entdeckt. Das Tier war voll entwickelt und hatte nur noch einen winzigen Dottersack (leider kein Foto verfügbar).

Die beiden geschlüpften Jungtiere waren extrem groß, auf jeden Fall deutlich größer und massiger als kleine Kornnattern. Ein erstaunliches Größenverhältnis, wenn man bedenkt, dass ausgewaschene Schmucknattern-Weibchen kaum über einen Meter lang und wesentlich dünner als Kornnattern-Weibchen sind. Die Männchen bleiben meist so klein und schlank, dass sie maximal Springer, lieber jedoch gerade behaarte Babymäuse fressen.

Stellt sich natürlich nun die Frage nach den Gründen für die geringe Schlupfrate. Mittlerweile hatte ich auch noch ein weiteres, kleineres Gelege per Zufall entdeckt. Nachdem ich eine vorher vermisste Schlange im Blumentopf entdeckt und herausgefischt habe, kamen diese drei Eier hinterher gerollt, die ich natürlich auch sofort inkubiert habe. Nachdem diese Eier auch bald wieder schrumpelig aussahen habe ich das Substrat stärker angefeuchtet und die Eier zu 2/3 mit Moos bedeckt. Vorher lagen die Eier relativ frei auf dem Substrat.

Innerhalb einiger Tage haben die Eier dann langsam wieder an Umfang zugenommen, die Falten sind schließlich ganz verschwunden. Nach einigen weiteren Wochen hat auch der Umfang wieder deutlich zugenommen, so dass ich mit einem Schlupf Anfang Februar 03 rechne.
Vermutlich war auch das zu trockene Substrat das Problem beim ersten Gelege, da auch dort die Eier zuerst einfielen. Wie sich das zweite Gelege entwickelt, werde ich Anfang Februar schreiben ... in der Zwischenzeit paaren sich die Schlangen übrigens bereits wieder ...
Ca. 10 Tage nach dem Schlupf haben sich die kleinen Schlangen gehäutet und am nächsten Tag bereitwillig je eine nackte Maus verspeist, die ihnen ins Versteck gereicht wurde.

Zusammenfassend kann man folgendes sagen: Die Inkubation dauerte bei mir 70, bzw. 71 Tage bei konstanten 27°C und 100% Luftfeuchtigkeit. Es scheint wichtig zu sein, dass relativ feuchtes Substrat verwendet wird, welches die Eier zum größten Teil bedecken sollte, aber trotzdem luftdurchlässig, damit sich kein Schimmel bilden kann. Geschlüpfte Schmucknattern sind größer und robuster als andere Elaphe-Jungtiere und fressen bereitwillig nackte Mäuse. Laut Literatur legen Helena-Weibchen mehrmals pro Jahr Eier. Mein Tier hat innerhalb von 60 Tagen 2 Gelege produziert, einmal 8 und einmal 3 Eier.

Kleines Update: Mittlerweile hat sich bei mir herausgestellt, dass die Inkubation auf Spaghnum keine gute Idee war ... ein weiteres Gelege, das ich auf Vermiculite inkubiert habe, hat sich wesentlich besser gehalten. Auf diesem Substrat gab es bislang keine Ausfälle. Desweiteren vertragen Helena-Eier keine zu hohe Luftfeuchtigkeit, daher ist die hier verwendete Aquarienmethode sicher nicht mehr die erste Wahl. Das beste Schlupfergebnis hatte ich bislang, als ich die Eier einfach in eine Faunabox auf leicht feuchtem Vermiculite gebettet habe und die Lüftung bis auf einen Schlitz von 0,5 cm verringert habe.