Chat | Sitemap | Impressum | Volltextsuche:

Gedanken zur Haltung von Python regius

Gedanken zur Haltung von Python regius
Regius im Rack  

In der Terraristik-Szene war man lange Zeit der Meinung, dass der Königspython ein Futterspezialist ist und die Nahrungsverweigerungen bei adulten, geschlechtsreifen Tieren geradezu legendär ist. Dazu sei gesagt, dass der Königspython sich bei der Futteraufnahme im Normalfall nicht anders verhält, als andere Riesenschlangen oder Nattern. Wenn die Pythons gesund sind, fressen sie nur dann nicht, wenn es sich um ein trächtiges Weibchen handelt oder ein paarungswilliges Männchen. Aber warum gab es in vielen Diskussionsforen so viele Threads besorgter Schlangenhalter, deren Königspython auch als deutsche Nachzucht, bzw. Farmzucht auf einmal nur noch exotische Beutetiere frisst oder auch monatelang grundlos gar nicht? Warum galt der Königspython lange Zeit als „schwierig zu vermehren“?

Die Antwort: Die Tiere wurden meist in Terrarien gehalten, die für diese Art nur bedingt geeignet ist. Der Königspython lebt in freier Natur zumeist in extrem beengten Verstecken, z.B. Baumstümpfen oder Termitenbauten und verfolgt die „Sit & Wait“-Strategie“, d.h. er wartet, bis etwas fressbares hereinschaut. Früher und teilweise auch heute noch wird diese Art Schlangen in zu hohen "Panoramaterrarien" gehalten, was mit dieser Lebensweise natürlich nicht konform ist. Das Resultat: Wenn die Tiere adult sind, verwandeln sie sich von guten Fressern auf einmal in die berüchtigten „Futterspezialisten“, die oft nur soviel fressen, dass sie ihr Körpergewicht halten können, aber nicht soviel, als dass sie Eier ansetzen und sich vermehren können. Nicht ohne Grund waren Farmzuchten lange Zeit deutltlich in der Überzahl bei den verkauften Tieren. Auch heute noch werden recht große Stückzahlen importiert und landen meist im Zoohandel.


Mojave-Weibchen  

In den USA hat man schon vor einigen Jahren erkannt, wie der Königspython gehalten werden möchte, nämlich so eng und geschützt wie möglich. MAn begann, die Schlangen in sogenannten „Racks“ unterzubringen, d.h. in Behältern mit einer Grundfläche, die oft „nur“ 100-120 X 50-60 cm beträgt, bei einer maximalen Höhe von 30-50 cm. Das schien auch schwierigen Vertretern dieser Art so zu behagen, dass sich die berüchtigten „Nahrungsspezialisten“ innerhalb von wenigen Monaten zu paarungswilligen „Fressmaschinen“ verwandeln. Diese Behälter sind oft nur mit dem nötigsten ausgestattet und enthalten meist nur eine Wasserschale, und hin und wieder ein Versteck zum hineinkriechen. Da diese Behälter meist blickdicht, aber lichtdurchlässig sind, kann sich der stressempfindliche Königspython rundum sicher fühlen. Natürlich steht diese Haltungsweise im Widerspruch zu den allgemeinen Richtlinien, die auf die meisten anderen Schlangenarten auch anzuwenden sind, aber eben nicht beim Königspython. Viele Terrarianer können sich auch nicht mit Gedanken an diese „Legebatteriehaltung“ anfreunden, aber das Verhalten die Zuchtergebnisse sprechen für sich. Es hat sich also bewährt, die Tiere entweder in einzelnen, partiell erwärmten Boxen mit den Maßen von 120 X 50-60 cm X 30 cm (L X B X H) zu halten. Wenn man eine Terrarienhaltung bevorzugt, sollte das Becken nur von der Front einsehbar sein und nicht höher als 50 cm gebaut werden. Hohe, umgedrehte Tonschalen und Korkrollen können hier als Versteck dienen.

Natürlich haben einige Halter auch Nachzuchterfolge in Standardterrarien und nicht jeder Python regius entwickelt sich bei dieser Haltung zu einem „Problemfresser“, aber wenn man diese Art erfolgreich und dauerhaft nachzüchten möchte, muss man von dieser Haltungsweise Abstand nehmen und einen Königspython-Lebensraum nicht anhand der gängigen Haltungsrichtlinien einrichten. Mittlerweile hat sich auch dieser Erkenntnis hierzulande durchgesetzt, was sich an der unüberschaubaren Flut an Regius-Nachzuchten und besonders immer neuen Farbmorphen bemerkbar macht. Trotzdem fallen besonders Anfänger aber auch heute immer noch auf die altbekannten Fehler bei der Regiushaltung rein, deswegen soll dieser Artikel eine kleine Erinnerung sein, dass man diese Art eben nicht in hohen Glasterrarien ohne Sichtschutz und vergesellschaftet mit ihrersgleichen oder schlimmer noch mit anderen Riesenschlangen halten sollte.