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Bodengrund

Bodengrund
 

Ich werde häufig gefragt, welcher Bodengrund denn nun für die Haltung von Schlangen am besten geeignet ist. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, da es zunächst einmal auf die Art der Schlange ankommt und somit auch auf ihre Haltungsansprüche. Bei baumbewohnenden Tieren sollte man beispielsweise einen anderen Bodengrund wählen, als bei bodenbewohnenden oder grabenden Schlangen. Die Frage des Bodengrundes im Terrarium wird immer wieder intensiv diskutiert, da jeder Schlangenhalter natürlich "sein" Substrat für das besten geeignete hält.

Jeder Bodengrund hat andere Eigenschaften, z.B. bezüglich seiner Wärmeleitfähigkeit, als Feuchtigkeitsspeicher, seine Dichte etc. Auch Faktoren wie leichte Erkennbarkeit von Kot und Urin sind wichtig und dürfen nicht vernachlässigt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, ob das Tier im Behälter gefüttert werden soll, oder ob die Schlange zum Fressen in einen separaten Behälter überführt wird.

Bei der Wahl des richtigen Substrates sollte man auf die Bedürfnisse der zu pflegenden Art achten, denn ein falsch gewähltes Bodensubstrat kann sich ungünstig auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken.

Ich möchte auf dieser Seite die bekanntesten Bodengrund-Materialien auflisten und deren Eigenschaften möglichst objektiv vergleichen, so dass sich jeder dazu seine eigene Meinung bilden kann.

In meinen eigenen Terrarien verwende ich bevorzugt feines Holzgranulat für Schlangen, die eine trockenere Haltung bevorzugen (Python regius, Boa constrictor) und Terrarienerde bei feuchtigkeitsliebenden Schlangenarten (Morelia viridis, Coelognathus helenusa), teils vermischt mit Borkensubstrat.


Holzgranulat (Tierwohl Super / MS Repti Wood fine)

Diese beiden Substrate werden mittlerweile von vielen Nattern- und Riesenschlangenhaltern eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein sehr feines, weiches aber nicht staubendes Weichholz-Granulat. Das Substrat ist kostengünstig und für die meisten Bodenbewohner aus trockene und "normalfeuchten" Klimazonen gut geeignet. Viele Boa constrictor und Python regius-Halter haben es bereits sehr zu schätzen gelernt, aber auch für Pantherophis und Heterodon ist es sehr gut zu verwenden. Ausscheidungen lassen sich sehr gut erkennen und entfernen, grabende Arten können in dem Material ihrem natürlichen Verhalten nachgehen und wenn kleine Portionen mitgefressen werden, schadet es einem Tier nicht. Für Arten aus feuchteren Klimazonen ist dieses Material jedoch nicht geeignet, da es bei Anfeuchtung schnell unansehnlich wird und Feuchtigkeit stark aufsaugt. Bei allen anderen Arten sollte man bei Verwendung dieses Substrates eine Wetbox mit feuchtem Moos oder Erde einplanen.

Geschmackssache ist der wenig natürliche "Look", der eher an einen Mäusekäfig denken lässt.


Terrarien-Erde (z.B. von NamibiaTerra)

Ein sehr beliebter Bodengrund, vielseitig verwendbar, besonders bei feuchtigkeitsliebenden Schlangen und Regenwaldbewohnern. Dieses Substrat wird meistens als trockener Ziegel angeboten, der vor Verwendung im Wasser quellen muss. Es gibt viele Firmen, die Terrarienerde anbieten, meist handelt es sich dabei um in Ziegelform gepresstes Substrat aus Kokos-Fasern.

Vorteil: speichert Feuchtigkeit, kann mitgefressen werden, ohne dem Tier zu schaden. Die Wärmeleitfähigkeit ist gut, vor allem im feuchten Zustand.

Nachteil: Im trockenen Zustand leicht staubig, kann bei Staunässe gelegentlich schimmeln. Die einzelnen Produkte unterscheiden sich teils stark in der Qualität und Faserigkeit.

Schimmel kann vermieden werden, indem man den Bodengrund gelegentlich in feuchtem Zustand umgräbt.


Moos

Vorteil: Sieht sehr dekorativ aus und wird von allen Schlangen gerne als Versteck genutzt. Ein Berg Moos in einer geschützten und kühlen Ecke schafft einen natürlichen Versteckplatz, man kann es auch gut in Wetboxen verwenden.

Nachteil: die Entfernung von Kot ist mitunter problematisch, vor allem bei Schlangen, entweder sehr viel (Thamnophis) oder versteckt Kot absetzen (Heterodon).

Moos leitet natürlich auch keine Wärme. Dieses Substrat sollte man daher nur in einem Teil des Beckens verwenden, wo keine Bodenheizung verlegt ist, oder auf einer Ablage, die nur von einem Wärmestrahler erwärmt wird.


Borkenstreu

Borkensubstrate werden nach wie vor sehr gerne eingesetzt. Ein bekanntes Produkt ist z.B. "Repti-Bark".

Vorteil: Diese Substrat ist fast universell einsetzbar, sieht dekorativ aus, ist leicht zu durchwühlen, man erkennt Kot schnell und es speichert bei Bedarf auch Feuchtigkeit. Die Wärmeleitfähigkeit ist gut, es neigt kaum zur Schimmelbildung. Man sollte Borkenstreu jedoch nur in kleinen Körnungen von 0-3 - 0-8 mm einsetzen, im Idealfall vermischt mit Terrarienhumus. So erhält man ein lockeres, grabfähiges Substrat, welches auch Feuchtigkeit speichern kann.

Nachteil: Der Preis ist recht hoch. Es gibt aber günstige Alternativen aus dem Gartenfachhandel in kleinen Körnungen. Streu aus dieser Quelle ist natürlich nicht so steril wie z.B. Repti-Bark. Ab und zu wird man möglicherweise kleine Fliegen oder andere für Schlangen unschädliche Untermieter im Terrarium haben, es ist im trockenen Zustand auch um einiges staubiger.

Reptibark und ähnliche Marken sind in jedem Fall keimärmer und sauberer, aber für ein großes Terrarium eine kostenintensive Anschaffung.


Rindenmulch

Reptiliengeeigneter Rindenmulch ist für viele Kletternattern und Riesenschlangen gut geeignet und wird als Substrat regelmäßig im Zooladen angeboten. Die Kotentfernung ist allerdings mitunter problematisch, da die Exkremente mit dem Mulch verkleben und sich häufig nur mit einem großen Substratklumpen vollständig entfernen lassen. Viele Rindenmulchsorten aus dem PFlanzengroßhandel verbreiten allerdings einen eher unangenehmen Geruch, wenn sie aus Baumrinden mit hohem Anteil an ätherischen Ölen hergestellt worden sind. Solche Mulchsorten sollte man nicht verwenden

Die Wärmeleitfähigkeit ist aufgrund der faserigen Struktur eher schlecht. Ich würde das Substrat nur zur Auflockerung in einem Teilbereich, der nicht beheizt wird, verwenden.


Sand/Kies

Kies ist ein eher ungeeignetes Substrat, da es sich von den Tieren nur schwer durchgraben lässt. Außerdem sickern bei der Verwendung von Kies die Ausscheidungen in das Substrat ein und lassen sich nicht restlos entfernen, was man nach einer gewissen Zeit daran merkt, dass es im Becken anfängt zu stinken. Ein weiterer Nachteil ist das Gewicht, es speichert keine Feuchtigkeit und ist einfach generell kein Bestandteil der meisten natürlichen Schlangenhabitate.

Sand ist nur für Wüstenbewohner geeignet (z.B. Sandboas), man sollte aber darauf achten, dass der verwendete Sand weich ist und nicht den für Aquarien erhältlichen Quarzsand benutzen da dieser scharfkantig ist und die Schlangen verletzen kann.


Hydrokultur/Blähton

Wird gelegentlich bei feuchtigkeitsliebenden Schlangen verwendet, ist jedoch wie Kies eher ungeeignet, da es schwer ist, Feuchtigkeit aus den Ausscheidungen aufsaugt und irgendwann stinkt, ganz zu schweigen von der hygienischen Komponente. Dazu kommt noch, dass das Substrat auch im Magen-Darm-Trakt Feuchtigkeit aufnehmen kann, falls es gefressen wird. Dabei besteht das Risiko von Verdauungsstörungen oder gar Darmverschluss. Für Bewohner feuchter Habitate gibt es daher bessere Alternativen in Form von Terrarienerde.


Torf-Sand-Gemische

Wird in vielen älteren Büchern noch empfohlen, mittlerweile ist davon eher abzuraten. Torf wird im trockenem Zustand einfach zu staubig und lässt sich kaum wieder anfeuchten. Terrarienerde ist die bessere Alternative.


Vermiculite

Vermiculite ist ein Silikat-Mineral und wird sowohl als Dämmmaterial als auch als Katzenstreu gerne verwendet, da es Feuchtigkeit gut aufsaugt und nur langsam wieder abgiebt. In der Terraristik verwendet man es aufgrund seiner biologischen Unbedenklichkeit gerne als Inkubationsmedium, da es neben seiner Fähigkeit als Feuchtigkeitsspeicher auch nicht verrottet. Im Terrarium sollte man zu diesem Zweck eher Moos verwenden


Buchenhack/Sägespäne

Buchenspäne werden häufig immer noch häufig in Terrarien eingesetzt. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass dieses Substrat beim Verschlucken Verdauungsprobleme bis hin zur Verstopfung auslösen kann. Buchenspäne sind sehr hart und die Passage des Verdauungstrakes kann daher Probleme bereiten. Es lässt sich zudem nicht feucht halten und auch nicht vom Tier umgraben. Da die Risiken deutlich überwiegen und es ebenso geeignete weiche Holzsubstrate in Form von Tierwohl Super und co. gibt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, dieses Material zu verwenden.

Wer immer noch Zweifel hat und Buchenhackl verwenden möchte, sollte sich das Foto unten anschauen - eine Kornnatter, die an verschlucktem Buchenhack verendet ist. Das Foto wurde freundlicherweise von unserem User solidsnake5000 zur Verfügung gestellt.

>>> Hier klicken - Achtung, nichts für schwache Mägen ...


Zeitungs-/Haushaltspapier

Zeitungs- bzw Haushaltspapier wird oft in Quarantänebecken oder bei der Aufzucht von Jungtieren verwendet, da diese häufiger Kot absetzen und empfindlicher sind als Adulti. Vorteil: Keime können sich nicht entwickeln und ausbreiten, der Nachteil ist aber, das sich die Schlangen nicht im Bodengrund verbergen können. Die Druckerschwärze auf der Zeitung ist möglicherweise als Risikofaktor zu betrachten, wobei eine schädigende Wirkung bislang noch nicht nachgewiesen worden ist. Für nichtgrabende Jungtiere sollte man daher besser Haushaltspapier verwenden. So ist Haushaltspapier bei der Aufzucht von Morelia viridis z.B. sehr zu empfehlen.