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Aufzucht von Jungtieren

Aufzucht von Jungtieren
 

Nach der erfolgreichen Inkubation eines Schlangengeleges steht der erfolgreiche Züchter vor einer neuen Aufgabe - wie zieht man einen ganzen Wurf von 10-30 Miniaturausgaben der großen Elterntiere auf? Diese Aufgabe ist oft nicht leicht zu meistern, das größte Problem ist dabei, die Jungtiere zur freiwilligen Aufnahme von Nahrung zu bewegen. Wir können den meisten Jungtieren in Gefangenschaft oft nicht das bevorzugte Futter anbieten (meist Amphibien und deren Larven, sowie kleine Echsen), müssen daher auf Ersatzfutter ausweichen - in den meisten Fällen nestjunge Mäuse.

Hilfreich bei den ersten Fütterungsversuchen ist dabei die Reizbarkeit vieler Babys. Die meisten Schlangen-Babys sind nach dem Schlupf recht aggressiv und schnappen nach allem, was sich bewegt. Dabei stoßen viele Jungtiere auch leise Zischlaute aus und rasseln mit dem Schwanz. Die Reizbarkeit der Babys legt sich in den kommenden Monaten, nach einem Jahr sind sie dann relativ entspannt, wenn man das Terrarium säubert oder das Tier zu Kontrollzwecken herausfangen muss. Die erste erfolgreiche Fütterung entsteht bei Babys häufig nicht aus wirklichem Hunger, sondern ist das Ergebnis eines Abwehrbisses. Wenn das Beutetier beim "Schnappen aus Abwehr" günstig im Maul liegt, fangen die Tiere reflexgesteuert oft an zu fressen - dieses Verhalten kann man sowohl bei diversen Nattern (Lampropeltis, Pantherophis, Coelognathus), als auch bei Pythons wie z.B. Morelia viridis beobachten. Wenn die Tiere ca. 10 mal selbstständig gefressen haben, bezeichnet man sie meist als "futterfest", d.h. bereit, selber die dargebotene Nahrung zu erbeuten und zu fressen.

Frischgeschlüpfte Jungtiere, die noch nicht gefressen haben, sollte man als Anfänger auf keinen Fall erwerben. In den meisten Fällen kann man die Tiere zwar ohne Zwangsfütterung irgendwann mit diversen Tricks dazu überreden, selber Nahrung aufzunehmen, ein "schlangenunerfahrener" Neueinsteiger wird daran allerdings schnell verzweifeln. Wenn die Tiere mehrmals selber gefressen haben, so werden sie dies auch weiterhin tun. Man sollte als Einsteiger kein Jungtier erwerben, dass nicht nachweislich frisst.

Viele Jungtiere gehen in kleineren Behältern besser an die dargebotene Nahrung. Viele Hersteller bieten zur Jungtier-Aufzucht z.B. Braplast-Kunststoffboxen in passenden Größen an (Grundfläche 20X20 cm, unterschiedliche Höhen), die man noch mit Luftlöchern versehen muss. Danach kann man die Tiere in Behälter mit 40-60 X 40 X 40 cm halten und ab einem Alter von 12-18 Monaten können sie in ihren endgültigen Behälter umziehen.

Die Tiere sollten im besten Fall einzeln aufgezogen werden. Viele Babys gehen alleine besser ans Futter, außerdem besteht bei einer Gemeinschaftshaltung immer das Risiko, dass sich die Tiere im Eifer des Gefechts entweder das Futter gegenseitig abjagen oder schlimmstenfalls umbringen, wenn der gefräßige Terrarien-Mitbewohner den schwächeren Gegner kurzerhand mitsamt Beute hinunterschlingt. Stresssituationen sollte man bei der Aufzucht unbedingt vermeiden.


Die ersten Lebensmonate

In den ersten Lebensmonaten sollte man beim Checken der Tiere besonders behutsam sein und diese Kontrollen auf ein Minimum reduzieren. Die Jungtiere sind besonders nach der Fütterung sehr stressempfindlich und neigen dazu, ihr Futter wieder auszuwürgen. Letzteres Problem hat man auch dann, wenn die Temperaturen nicht korrekt eingestellt sind. Jungtiere sind auch in diesem Fall viel empfindlicher als erwachsene Schlangen, da die kleinen Schlangen im Verhältnis zu ihrer Körpermasse viel mehr Futter aufnehmen als adulte Tiere, also auch mehr "Verdauungsarbeit" leisten müssen. Wenn die äußeren Bedingungen nicht stimmen, sieht man das Futter nach 3-4 Tagen meist halbverdaut wieder.

Eine Geschlechtsbestimmung sollte man erst nach 12 Monaten durchführen. Sondieren ist vorher ohne die Tiere zu verletzen unmöglich und das sogenannte "Poppen" (Herausmassieren des Hemipenis) sollte man sich unbedingt vorher zeigen lassen, da man durch unsachgemäßes "Herumdrücken" ein Jungtier schwer verletzen kann. Dazu kommt noch, dass diese Methode nicht bei allen Arten angewendet werden darf, so z.B. nicht bei Morelia viridis. Wenn man selber züchten möchte, empfiehlt es sich somit, 4-5 Jungtiere aus verschiedenen Würfen aufzuziehen - dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass ein Pärchen dabei ist.

Die Färbung ist im Vergleich zu den adulten Tieren häufig noch ein wenig unscheinbar - die endgültige Färbung ist meistens erst nach einigen Monaten absehbar, was man besonders beim Kauf besonderer Farbformen beachten sollte, z.B. bei Kornnattern.