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Die Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis)

Die Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis)
 

Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis) sind früher als "Anfängerschlangen" zu Tausenden als Wildfänge importiert worden. Da die Tiere meist nicht lange in den Terrarien aufgrund starken Parasitenbefalls überlebten, ist die Popularität dieser aktiven kleinen Nattern im Laufe der Jahre stark zurückgegangen. Ich persönlich finde dies sehr schade, da diese Schlangenart im Gegensatz zu den meisten "nagerfressenden" Schlangen auch tagsüber häufig aktiv und gut zu beobachten ist. Wenn man ein Nachzuchttier erworben hat, hat man einen robusten und ausdauernden Pflegling.

Die Strumpfbandnattern sind eine der artenreichsten Schlangengattungen in Nordamerika. Sie sind in 23 Arten (und noch vielen weiteren Unterarten) in den USA, Südkanada bis Mexiko verbreitet, von der Küste bis in Höhen von 2400 bis 2800 m.
Die Strumpfbandnattern werden zwar zu der Gruppe der "Wassernattern" gezählt, leben aber weitestgehend auf dem Land. Sie bevorzugen feuchte Habitate wie Bäche, Flüsse, Seen, Sümpfe, sind aber auch in kultivierten Regionen zu finden oder sogar in Wäldern und Gebirgslagen.
Die lebendgebärenden Strumpfbandnattern ähneln in ihrer Erscheinung den Ringelnattern, der Kopf (mit einer runden Pupille) setzt sich kaum vom Hals ab, der Körper ist schlank mit einem lang ausgezogenen Schwanz.
Die Körperform ist bei Thamnophis sehr variabel, dies wird deutlich, wenn man z.B. die relativ gedrungene karierte Strumpfbandnatter (Thamnophis marcianus) mit dem Habitus einer Bändernatter (Thamnophis sauritus) vergleicht.

Färbung und Größe ist bei der Gattung Thamnophis äußerst unterschiedlich, je nach Art und Unterart weisen sie einen Rücken- und zwei Seitenstreifen unterschiedlicher Färbung (gelblich, grünlich, bräunlich oder bläulich) auf, zwischen denen Flecken und Querbarren angeordnet sind. Die Grundfärbung kann schwarz, dunkelbraun, olivfarben oder grün sein, die Bauchseite ist meist weiß bis grau. Einige Tiere besitzen auch eine hübsche Fleckenzeichnung, so ist z. B. die Unterart Thamnopis sirtalis parietalis auf den Flanken rot getupft. Die Kopfoberseite ist olivbraun bis schwarz gefärbt.
Die Länge variiert je nach Art und Unterart. Es gibt relativ kleinbleibende Arten, wie die Präriestrumpfbandnatter (Thamnophis radix) mit 50-80 cm Gesamtlänge, einige Arten werden jedoch recht groß, so z.B. die Florida-Strumpfbandnatter, die leicht über einen Meter heranwächst. Der Längenrekord bei der Gattung Thamnophis dürfte ungefähr bei 1.25 m liegen.

Genauso wie die Körperform und die Färbung, so ist auch das Wesen der einzelnen Thamnophis-Arten sehr verschieden. Während die Nominatform von Thamnophis sirtalis relativ umgänglich ist, so ist ihre blaugescheckte Unterart, die Florida-Strumpfbandnatter zumindest als Wildfang recht angriffslustig und beißt bei Belästigung gerne mal zu. Die meisten Schlangen sondern zudem noch ein übel riechendes Sekret ab, wer das einmal abbekommen hat, weiß warum die Tiere dieses Verhalten zur Abwehr einsetzten. Strumpfbandnattern werden zwar mit der Zeit ruhiger und nehmen das Futter von der Pinzette des Pflegers, lassen sich aber oft nur ungern aus dem Behälter nehmen. Bändernattern (Thamnophis sauritus) z. B. gehören zu den "nervösesten" Strumpfbandnattern und versuchen sofort mit einer unglaublichen Schnelligkeit zu flüchten, wenn man sie auch nur berührt.

Wie alt Strumpfbandnattern werden ist sicherlich zum einen von der Art abhängig, zum anderen auch, ob man einen Wildfang pflegt, oder eine Terrariennachzucht. Größere Arten, wie die aus Florida stammenden Strumpfbandnattern dürften wohl ein maximales Alter von 12 Jahren erreichen, kleinere (wie die Präriestrumpfbandnatter) haben normalerweise eine Lebenserwartung von 8-10 Jahren.


 

In allen Büchern und von vielen Zoohändlern werden Strumpfbandnattern als die ideale Schlange für den Einsteiger bezeichnet (meist nur, weil sie so häufig ist und für wenig Geld verkauft wird). In einigen Fällen ist das auch so, sofern man das Glück hat und eine halbwüchsiges bis erwachsenes Tier aus einer Terrariennachzucht erwirbt. Leider ist es in den meisten Fällen so, dass die meisten Tiere, die in Zooläden angeboten werden, Wildfänge sind und gerade diese sind häufig von vielen verschiedenen Krankheiten befallen. Gerade bei Schlangen, die im Wasser oder in Gewässernähe leben findet man eine große Anzahl von Endoparasiten (meist Nematoden), fast alle Wildfänge sind davon befallen. In der ihrer natürlichen Umgebung ist eine Parasitenfauna bei einem Karnivoren nichts ungewöhnliches, durch den Stress des Fanges oder des Transportes verschiebt sich das Parasiten-Wirt-Gleichgewicht aber schnell zu Ungunsten des Wirtes (in diesem Fall der Schlange). Werden  diese Parasitosen nicht schnell einigermaßen kompetent behandelt, so sterben viele Strumpfbandnattern in den ersten Monaten aus für den Halter "unerklärlichen" Gründen. Man kann natürlich auch Glück haben und das Tier lebt jahrelang mit seinen "Mitbewohnern", ohne jemals Krankheitssymptome zu zeigen. Vielfach kommt es jedoch im Terrarium dazu, das sich das Tier permanent selber neu ansteckt und schließlich durch Schädigung des Magen-Darm-Traktes verendet.Wenn man eine Schlange kauft, erkennt man selten auf den ersten Blick, ob das Tier von Parasiten befallen ist, deshalb gilt hier: strikte Quarantäne für jedes neugekaufte Tier (vor allem bei Wildfängen), die Schlange muss über einige Wochen beobachtet werden und der erste abgesetzte Kot sollte sofort auf Wurmbefall kontrolliert werden. Bei Jungtieren sollte man immer auf ausreichende Feuchtigkeit im Becken achten. Ein Teil des Bodengrundes und ein Versteckplatz sollten immer leicht feucht sein, da die Jungtiere schnell dehydrieren.


Ansprüche an das Terrarium

Ansprüche an das Terrarium
 

Für die meisten Thamnophis-Arten genügt ein kleines bis mittelgroßes Becken von 80-100 cm Länge, 40-60 cm Höhe und 40 cm Tiefe. Ein großes Wasserbecken ist Pflicht, weil die Tiere ab und an ganz gerne mal schwimmen (vor allem in den wärmeren Jahreszeiten). Weiterhin sind Versteckplätze angezeigt, sowie einige Klettermöglichkeiten (besonders für Bändernattern, diese Art ruht sehr gerne auf einem durch Wärmestrahlung erhitzten Ast und lauert von dort auf Beute).

Da die Schlangen häufig in der Nähe von Feuchtgebieten zu finden sind, benötigen sie auch eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit im Terrarium, als z. B. Korn- oder Erdnattern. Bei Strumpfbandnattern ist es deshalb eine gute Idee, einige Pflanzen ins Terrarium einzubringen um so die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Auch sollten die Tiere häufiger besprüht werden als Kornnattern, aber ohne stehende Nässe, oder gar ein "Regenwaldterrarium" zu erzeugen. Ein Teil des Bodengrundes sollte immer feucht sein, aber nicht das ganze Terrarium. Ein zu feuchter Bodengrund führt schnell zu einer Pilzinfektion der unteren Bauchschuppen.


Licht und Temperatur

Die Temperatur sollte im Strumpfbandnatternterrarium tagsüber gestaffelt 24-28 °C betragen, damit sich die Tiere ihre Vorzugstemperatur selber aussuchen können. Nachts können die Temperaturen bis auf minimal 18-19 °C sinken. Ein durch Strahlerwärme erzeugter Sonnenplatz mit Temperaturen um 30 °C sollte ebenfalls vorhanden sein.

Für die Beleuchtung kann man die verschiedensten Glühlampen, Energiesparlampen und Neonröhren verwenden, man sollte aber darauf achten, das auch Strahlungswärme erzeugt wird, an der sich die Tiere wärmen und "sonnenbaden" können, da sie tagaktiv sind. Ansonsten gilt wie bei der Kornnatter: ihr braucht die Tiere nicht extra mit UV-Licht zu bestrahlen um sie gesund zu erhalten. Achtet lieber auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit gelegentlicher Gabe eines Multivitaminpräparates.


Bodengrund

Bodengrund
 

Strumpfbandnattern benötigen zumindest an einer Stelle des Beckens einen weichen Bodengrund, der sich gut durchwühlen läßt und etwas Feuchtigkeit zu speichern vermag (die Tiere graben ab und zu ganz gerne). Die Exkremente, mit denen die Schlangen nicht gerade geizen, müssen bei dem gewählten Boden aber schnell erkannt und entfernt werden können!
Bei Thamnophis-Arten sollte man kein grobes Borken- oder Sägespäne/Buchenhack-Einstreu verwenden. Wenn eine kleine Strumpfbandnatter so etwas mitverschlingt, so wird sie über kurz oder lang daran eingehen. Wer schon mal eine Strumpfbandnatter fressen gesehen hat, der weiß, dass die Tiere ihre Beute erst mal über den Landteil ziehen und das Futtertier mit Substrat regelrecht "panieren". Viele Tiere lassen sich auch nur ungern aus dem Behälter nehmen, Bändernattern sind z.B. sehr unruhige Tiere und fressen meist nicht außerhalb Ihres Terrariums.

Es sollte ein Bodengrund gewählt werden, welcher den Strumpfbandnattern beim Verschlingen nicht schaden kann und sie besser im Behälter füttern. Die in jedem gut sortierten Zooladen zu findende Terrarienerde ist für alle Thamnophis-Arten gut geeignet, da die Schlangen sich auch ganz gerne mal in einem weichen Substrat eingraben.
Ein Teil des Terrariums (ca. 1/4 der Bodenfläche) sollte etwas feuchter gehalten werden, diese wird dann besonders vor der Häutung gerne aufgesucht.


Fütterung

Strumpfbandnattern besitzen in der freien Natur ein breites Beutespektrum, welches sowohl Fische, Amphibien, diverse Wirbellose (Regen/Tauwürmer, Egel, Schnecken) und kleine Säugetiere beinhaltet. Einige Arten fressen wirklich alles, was ihnen vor das Maul gerät, während einige in ihrem Beutespektrum etwas limitierter sind. Als Beispiel wäre mal wieder die Bändernatter zu nennen: diese Thamnophis-Art frißt im allgemeinen nur Amphibien und deren Larven und ist auch im Terrarium (als Wildfang) nicht immer leicht an Fisch zu gewöhnen. Nachzuchten bereiten wie so oft in dieser Hinsicht weniger Probleme.

Alle anderen Thamnophis-Arten sollte man versuchen, sie im Terrarium möglichst abwechslungsreich zu ernähren. Man kann sie zwar lange Zeit ausschließlich mit Fisch füttern (lebend oder vorher eingefroren), diese Diät ist aber nicht ausgewogen und die Tiere neigen zu Mangelerscheinungen. Besonders anfällig sind die Schlangen gegen Vitamin B-Mangel (siehe "Krankheiten bei Schlangen"). Da reines Fischfleisch arm an diesem Vitamin ist, sollte man bei Langzeitfütterung von Fisch zumindest auf regelmäßige Vitaminbeigaben achten (vor allem, wenn man nur gefrorenen Fisch verfüttert), oder besser ab und an mal was anderes zu fressen anbieten.

Regenwürmer, die man z. B. in Anglerfachgeschäften erwirbt, sind bei Strumpfbandnattern äußerst beliebt. Mit Regen- oder Tauwürmern wird man oft sogar hartnäckige Futterverweigerer ans Fressen kriegen. Ich rate allerdings von der regelmäßigen Verfütterung von Regenwürmern ab, da sie häufig mit Innenparasiten infiziert sind, die durch den Verzehr auf die Schlange übertragen werden (besonders wenn die Würmer aus der Natur entnommen werden). Man sollte Würmer nur besonders hartnäckigen Futterverweigerern anbieten und dann regelmäßig Kotproben auf Parasitenbefall untersuchen lassen.

Nestjunge Mäuse werden von vielen Tieren gierig verschlungen. Dieses Futter ist sehr nahrhaft für Strumpfbandnattern, durch die regelmäßige Verfütterung von Mäuse kann man einem Vitaminmangel wirksam vorbeugen, besonders dem gefürchtetem Vitamin B-Mangel. Falls sich die Schlange nicht für Mäuse interessiert, kann man das Futter mit Fisch verwittern - dadurch kann man die meisten Strumpfbandnattern zum Fressen der ungewohnten Beute animieren.

Wenn man seine Tiere füttert sollte man auch darauf achten, dass sie nicht zu viel auf einmal fressen. Einige Tiere sind äußerst gierig und fressen mehr, als ihnen gut tut. Zu viel verschlungenes Futter wird oft einige Tage später wieder ausgewürgt ... kein sehr schöner Anblick (und Geruch)! Als Faustregel kann man sich merken, dass eine Strumpfbandnatter dann genug gefressen hat, wenn man eine leichte Beule im Bereich des Magens erkennen kann. Man sollte lieber öfter weniger verfüttern, als die Schlange jedes Mal bis zum Anschlag vollzustopfen!

Thamnophis-Arten sollten in kürzeren Abständen, als rein Nagerfressende Arten gefüttert werden, da ihr Stoffwechsel schneller ist und sie somit auch schneller verdauen. Nach dem Fressen sind viele Strumpfbandnattern weiterhin recht aktiv und kommen meistens bereits am nächsten Tag wieder aus ihrem Versteck.
Ich empfehle für ausgewachsene Tiere eine Futtergabe ungefähr alle 5-7 Tage, junge Thamnophis sollten jeden 2.-3. Tag gefüttert werden. Bei Jungtieren sollte besonders darauf geachtet werden, daß sie sich nicht überfressen.


Häutung

Als Jungtiere häuten sich Strumpfbandnattern manchmal schon im Abstand von drei Wochen, ältere Tiere fahren ungefähr alle 2-3 Monate "aus der Haut". Wie auch bei Kornnattern sollte man das Terrarium in der Häutungsphase öfter als sonst mit lauwarmen Wasser aussprühen und eine feuchte Ecke im Becken einrichten - die Häutung verläuft dann leichter. Gelegentlich kommt es jedoch mal dazu, das sich die Schwanzspitze nicht mithäutet, diese sollte dann manuell entfernt werden, da sich die alte Haut auch bei der nächsten Häutung nicht immer löst. Eine mehrfach nicht gehäutete Schwanzspitze wird irgendwann so schlecht durchblutet, dass sie möglicherweise abstirbt. Problematischer ist es, wenn eine (oder beide) Augenkapseln sich nicht lösen. Wie man bei diesem Problem vorgeht, wird in der Rubrik "Erkrankungen" näher beschrieben.


Vermehrung

Vermehrung
 

Die Schlangen erreichen die Geschlechtsreife mit ca. 2-3 Jahren. Wenn man seine Strumpfbandnattern vermehren will, so sollte man eine Winterruhe von ungefähr 6-8 Wochen (inklusive Abkühlungs-/Erwärmungsphase) durchführen. Die meisten Tiere fressen zwar auch im Winter und sind ohne Winterruhe jahrelang gesund zu erhalten, die Wahrscheinlichkeit einer Paarung ist aber höher, wenn man den Tieren eine Stoffwechselpause gönnt. Die Geschlechtsbestimmung kann bei juvenilen Tieren durch vorsichtiges "Poppen" erfolgen, erst im Alter von 2-3 kann man anhand äußerlicher Merkmale oder durch Sondierung das Geschlecht sicher bestimmen (Die Weibchen werden bei Thamnophis meistens deutlich größer und massiger). Jüngere Tiere sollten aufgrund der Größe noch nicht sondiert werden.


 

Kleine Strumpfbandnattern aufzuziehen ist normalerweise kein großes Problem, wenn man einige Grundregeln beachtet. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Terrarien austrocknen, Thamnophis-Babys dehydrieren sehr leicht. Es ist wie schon gesagt ratsam, immer 1/4 des Terrariums leicht feucht zu halten. Ich bevorzuge eine mit Moos ausgestopfte Ecke, in dem sich die Tiere gerne verkriechen. Außerdem wird fast jeden Tag ein wenig gesprüht, aber nur mit angewärmtem Wasser. Genauso schnell, wie die Jungschlangen austrocknen, können Sie sich auch erkälten. Man muß also wie so oft die goldene Mitte wählen.

Die Fütterung sollte alle 2-3 Tage im 1. Jahr erfolgen, ansonsten wachsen die Schlangen nicht besonders gut. Dabei ist eine Überfütterung unbedingt zu vermeiden.
Häutungen erfolgen relativ häufig, etwa alle 3-5 Wochen im ersten Lebensjahr.
Die Temperatur sollte im Aufzuchtbecken 28-30°C nach Möglichkeit nicht übersteigen. Ideal ist eine mittlere Lufttemperatur von 25-26°C mit einem leicht wärmeren "Sonnenplatz".