Allgemeines:

<<< Klicke auf die oberen Bilder, um sie zu vergrößern >>>

Viele Einsteiger entscheiden sich für eine Boa constricor als "erstes Tier". Grundsätzlich eine gute Entscheidung, wenn man über genügend Platz verfügt, denn adulte Tiere können je nach Unterart die 3 meter-Grenze schnell erreichen. Der folgende Artikel ist eine kleine Einführung für angehende Boahalter.

Für die Nominatform der Boa constrictor wird oft (besonders im Handel) der Name "Rotschwanz-Boa" verwendet, dieser Name bezieht sich auf ein Merkmal der meistens Boas: die Rückenflecken nehmen zum Schwanz hin oft rötliche Farbtöne an. Die Grundfärbung ist bei den einzelnen Boa-Unterarten sehr variabel, sie kann rötlichbraun, dunkelgrau bis rötlichgrau sein, über den Rücken zieht sich ein Zeichnungsmuster aus hellen und dunklen Flecken. Der Bauch ist grauweiß und mit schwarzen Sprenkeln durchsetzt. Auf dem kräftigen, triangulären Kopf befindet sich eine dunkle Schläfenbinde, die sich von der Schnauzenspitze bis zu den Halsseiten zieht.

Die Boa constrictor ist eine kräftige Schlange, die bis 5 1/2 m Körperlänge erreichen kann, die meisten Exemplare sind aber bereits mit 2-3 m ausgewachsen. Männliche Tiere erreichen oft nicht einmal die 2 Meter-Grenze. Es gibt aber auch kleinwüchsigere Formen der Abgottschlange, so z.B. die Kaiserboa (Boa constrictor imperator). Zu dieser Unterart wird auch oftmals die sogenannte "Hogg island-Boa" gezählt. Diese Unterart wird meist nur um 150 cm lang, sie können ausnahmsweise aber auch bis 250 cm erreichen. Die Kaiserboas sind ebenso pflegeleicht, wie die Nominatform, tendieren aber dazu, etwas "nervöser" und bissiger zu sein.

Leider ist es nicht immer einfach, einen Züchter zu finden, wo man sicher sein kann, wirklich reinrassige Boas zu bekommen. Die meisten Boa-Unterarten paaren sich im Terrarium leider meist ziemlich problemlos, so dass fast alle Terrarien-Boas mittlerweile Mischformen aus allen möglichen Unterarten sind. Die Temperamente der Tiere sind individuell verschieden, wie bei den meisten Schlangenarten sind viele Jungtiere bissiger, als die Adulti. Die häufigsten Bißunfälle passieren meist dann, wenn der Pfleger erst ein Beutetier berührt hat, und dann mit der Hand zu Nahe an die Schlange herankommt. Die Boa riecht dann noch den Geruch des Beutetieres und schnappt danach. Allerdings wird es einer durchschnittlichen Abgottschlange wohl kaum möglich sein, einen Menschen ernsthaft zu verletzten, auch wenn man die Kraft einer ausgewachsenen Boa keinesfalls unterschätzen sollte. Die vielen Schauermärchen, die über sie verbreitet werden, sind aber maßlos übertrieben!

Wenn man eine Boa constrictor auswählt, sollte man sich im klaren darüber sein, dass die Tiere, die man meist sehr jung kauft, in den ersten 2-3 Jahren enorm an Masse und Körperlänge zulegen wird. Später wird ein der Körpergröße angepasstes, geräumiges Becken benötigt. Wenn man diesen Punkt aber beim Kauf berücksichtigt, ist die Boa constrictor aufgrund ihrer zeitlebens beibehaltenen, attraktiven Zeichnung und der fast immer gewährleisteten Friedfertigkeit uneingeschränkt zu empfehlen.

Der Kauf einer Boa sollte trotzdem gründlich überlegt werden, da die Tiere (sofern sie optimal gehalten werden) mit Leichtigkeit ein Alter von 20-30 Jahren erreichen können, der Rekord liegt bisher bei 40 Jahren!
Verbreitung:
Die Schlangen sind von Argentinien bis nach Südmexiko verbreitet und kommen auch auf diversen Inseln vor der mexikanischen Pazifikküste vor. Die Tiere halten sich sowohl am Boden, als auch in Bäumen und Sträuchern auf (besonders Jungtiere leben eher aboreal), wo sie diversen Kleinsäugern und Vögeln nachstellen, man trifft sie oft in Gewässernähe an. Die Schlangen sind in Bezug auf ihre Lebensräume sehr anpassungsfähig: sie kommen sowohl in feuchten Waldgebieten, als auch in Savannengebieten und sogar in trockenen Halbwüsten vor.

Abgottschlangen sind nachtaktiv (sie besitzen eine senkrecht geschlitzte Pupille), während des Tages ruhen sie meist in einem geschützten Winkel, z. B. in Nagetierbauten.
Verhalten im Terrarium:
Boas haben eine eher "statische" Lebensweise, ausgewachsene Tiere bewegen sich teilweise tagelang nicht aus ihrem Versteck, sondern stecken nur den Kopf heraus und warten darauf, dass sich etwas fressbares nähert. Man sollte die Tiere aber nicht unterschätzen, wenn eine hungrige große Boa nach ihrer Beute schnappt wird man oft von der Kraft und Schnelligkeit des vermeintlich ruhigen Tieres überrascht.
Jungtiere sind weitaus häufiger aktiv als später die adulten Tiere.
Ansprüche an das Terrarium:
Eine junge Boa kann in den ersten 2 Lebensjahren gut in einem Behälter von 100X50X50 cm (LXBXH) aufgezogen werden, danach sollte man die Behältergröße dem Tier anpassen. Eine einheitliche Aussage lässt sich hierzu  nicht machen, da Boas sehr unterschiedlich groß werden. Es gibt wie schon gesagt Exemplare, die bereits mit 1 1/2 m ausgewachsen sind (wie z.B. die in der Regel kleinwüchsigeren Tiere aus dem Boa constrictor imperator- Komplex ), während andere die 2 m-Grenze bald überschreiten. Da alle Boas gerne klettern, sollte man bei der Behälterhöhe ruhig großzügig sein und den Tieren etwas Platz gönnen (ca. 1 m), die Kletteräste müssen dabei aber sehr gut befestigt werden, da eine kräftige Boa diese sonst bald umwirft und sich dabei unter Umständen verletzen kann. Weitere Informationen zur Terrariengröße sind in der FAQ zu finden.

Ein Wasserbecken gehört natürlich ebenfalls zur Einrichtung und sollte so bemessen sein, dass es die Tiere nicht umwerfen können. Ansonsten sollte man gelegentlich etwas lauwarmes Wasser im Terrarium versprühen (2-3 mal die Woche).

Wie bei allen Schlangen sind auch für die Abgottschlange ein oder besser mehrere Versteckplätze in unterschiedlichen Temperaturbereichen wichtig, in dem die Tiere den ganzen Tag über verweilen.
Bodengrund:
Bei der Wahl des Bodengrundes sollte man wie beim Königspython verfahren. Am besten geeignet ist meiner Meinung nach Borkenstreu, z.B. Reptibark oder die preisgünstigere Alternative aus dem Gartenbaucenter (z.B. Novosan-Borkeneintreu). Zusätzlich kann man Spaghnum-Moos verwenden. In Kombination mit einer halben Borkenrolle kann man ein Versteck schaffen, welches von den Schlangen bereitwillig akzeptiert wird.
Wenn man Borkenstreu verwendet, sollte man darauf achten, eine kleine Körnungsgröße zu verwenden. Fütterungen sollten auf diesem Bodengrund unter Aufsicht erfolgen, damit nicht zu viel von dem Substrat mitverschlungen wird. Normalerweise sind aber keine Probleme zu erwarten, falls ein wenig Borkenstreu mitgefressen wird - härteres Substrat wie Buchenhack kann hingegen sehr gefährlich werden und den Magen-Darm-Trakt verletzten und Verstopfungen verursachen.
Licht und Temperatur:
Im Boaterrarium sollte man für einen gestaffelten Temperaturbereich sorgen, damit die Schlangen sich die ihnen zusagenden Temperaturbereiche aussuchen können. Die Grundtemperatur sollte im Boaterrarium bei 25-28 °C liegen. Einen Teil des Behälters, z.B. einen bestrahlter Liegeast, kann sich zum Sonnenbaden auf ca. 28-31 °C erwärmen. Es sollten aber auch kühlere Ecken im Terrarium vorhanden sein. Besonders kurz vor der Häutung suchen die Schlangen gerne eher kühlere und feuchtere Bereiche auf, dort sollte die Temperatur ungefähr 23-24 °C betragen.
Nachts sollten die Temperaturen im Schlangenbehälter nicht unter 23-24 °C absinken. Wie für alle Schlangen benötigt man auch für die Abgottschlange keine spezielle Beleuchtung, für Licht und gleichzeitig Wärmeabgabe kann man somit eine Kombination von Tageslicht-Neonröhren und Reflektorbirnen verwenden. Als nachtaktive Tiere bekommt man seine Tiere ohnehin tagsüber nur selten zu Gesicht. Ich beheize mein Terrarium mit zwei 40 Watt-Reflektor-Strahlern, sowie in der kühleren Jahreszeit mit einer schwachen Kabelheizung. Zusätzlich zu den Reflektorbirnen verwende ich noch eine Tageslicht-Neonröhre. In größeren Becken kann man auch Heatpanels unterschiedlicher Leistungsstärke einsetzen.
Fütterung von Boas:
Bei der Ernährung von Boas wird man selten auf Probleme stoßen, die Schlangen fressen eigentlich so ziemlich alles, was sie überwältigen können. Man sollte aber auf eine maßvolle Futtergabe achten, die Schlangen zur Verfettung neigen. Jungtiere füttert man alle 5-7 Tage mit einer Maus, die die ungefähre Dicke der Körpermitte der Schlange haben sollte (Neugeborene Tiere sollten in den ersten Lebenswochen gerade behaarte Pinkies erhalten). 1-2 Jahre alte Tiere können alle 10-14 Tage mit 1-2 ausgewachsenen Mäusen (oder jungen Ratten/Eintagsküken) gefüttert werden, ausgewachsene Tiere erhalten alle 2-3 Wochen mehrere Mäuse, Ratten, bei entsprechender Größe sogar Kaninchen.
Die Fütterungsfrequenz ausgewachsener Tiere sollte man ein wenig von der Aktivität der Schlange abhängig machen. Wenn die Boa nach einer Mahlzeit wieder aus dem Versteck kriecht, sollte man noch ungefähr eine Woche warten, bis man ihr das nächste Futter anbietet. Boas haben ihre Verdauung nach ca. 8-14 Tagen abgeschlossen (sie verdauen also wesentlich langsamer, als z. B. Kletternattern-Arten und sollten deshalb auch länger als diese nach der Fütterung in Ruhe gelassen werden).
Häutung:
Gesunde Abgottschlangen häuten sich als Jungtiere relativ häufig, ungefähr alle 6-8 Wochen, ältere Tiere alle 2-3 Monate. Wenn sich die Augen der Schlange eintrüben, sollte man das Terrarium der Schlange täglich mit lauwarmen Wasser einsprühen. Außerdem sollte man dem Tier einige feuchte Stellen im Becken anbieten, für größere Boas kann eine Box, die mit feuchtem Moos ausgestopft ist, geeignet sein. Dadurch sollten bei der Häutung eigentlich keine Probleme auftreten. Im Gegensatz zu Nattern findet man die abgelegte Haut nicht langgezogen im Terrarium, sondern meist als Klumpen unter dem bevorzugten Versteck. Sehr große Tiere häuten sich nicht in einem Stück, das ist normal und kein Krankheitszeichen.
Fotos und Texte  Copyright © by Marcel Hoffmann, September 1997
Update: 10/07